Warum sind herkömmliche Schuhe oft problematisch?

 

Der menschliche Fuß ist ein sehr komplexes Gebilde und rein anatomisch perfekt darauf ausgerichtet ohne Schuhe auszukommen. Es gibt aber auch evolutionär gute Gründe für die Entstehung von Schuhen, aber nicht alle Entwicklungen in diesem Sektor waren vom Vorteil für den Menschen. Daraus resultiert, dass Form und Beschaffenheit des Schuhs maßgeblich dafür verantwortlich ist, wie gesund oder ungesund ein Schuh für den Fuß ist.

1. Problem: Störung der Propriozeption durch dicke Sohlen

Unter Propriozeption versteht man die Fähigkeit des menschlichen Körpers jederzeit die eigene Lage und Bewegung innerhalb eines dreidimensionalen Raums zu erkennen. Das Gehirn erhält durch die Rezeptoren und Sinnesorgane eine Rückmeldung und reagiert dementsprechend mit veränderten Bewegungsabläufen.

Ein schönes Beispiel hierfür ist der das barfuß laufen auf einer Wiese. Anstatt wie beim gehen zuerst mit der Ferse auf zu treten wechselt man automatisch auf den Vorder- und Mittelfuß, da die durch das laufen auftretenden Kräfte dadurch besser abgefangen werden können.

Wenn man jetzt aber dicke Sohlen unter den Füßen hat, wie bei stark gedämpften Sportschuhen, werden die Rezeptoren im Körper an ihrer eigentlichen Arbeit gehindert und es fehlt die Rückmeldung an das Gehirn. Gerade beim „Joggen“ als Sonderform des Laufens wird das sehr deutlich, viele Menschen treten auch dabei zuerst mit der Ferse auf. Das Fußgewölbe kann den Schlag damit nicht abdämpfen und der Großteil der Aufprallkräfte werden direkt an das Knie und die Hüfte weitergegeben, die dafür eigentlich nicht ausgelegt sind.

Aber warum hat der Mensch dann überhaupt Schuhe entwickelt?

Die Hauptursache bei der Entstehung von Schuhen ist ein kleiner Konstruktionsfehler des menschlichen Fußes. Anders als bei vielen Tieren bietet die Fußsohle keinen ausreichenden Schutz gegen äußere Faktoren wie Kälte (z.B. durch Fell) oder harte/spitze Gegenstände am Boden (z.B. Hufe). Der Mensch hatte dementsprechend je nach klimatischen und strukturellen Konditionen keine andere Wahl als seine Füße zu schützen. Mehr dazu haben wir in unserem Überblick zur Entstehungsgeschichte von Schuhen aufgelistet.

2. Problem: Der große Zeh wird seiner wichtigsten Funktion beraubt

Die Bedeutung des großen Zehs beim Gehen und Laufen

Zwei Muskeln im Fuß sind maßgeblich dafür verantwortlich die auftretenden Kräfte beim gehen oder jeder anderen Fortbewegung (laufen, rennen) zu dämpfen und stabilisieren: der lange Großzehenbeuger (der von der Beinrückseite bis zum großen Zeh verläuft) und der Großzehenspreizer (der von der Ferse zum großen Zeh verläuft).
Der Großzehenbeuger drückt den Zeh nach unten wodurch das Fußgewölbe nach oben gezogen wird und der Spreizer zieht den Zeh in seine optimale Position, die von oben betrachtet weg von den anderen Zehen zeigt, dadurch vergrößert sich auch die Standfläche des Fußes.

Starke Beeinträchtigung durch Schuhe

Die meisten modernen Sportschuhe aber auch viele andere Schuhe des Alltags zeichnen sich unter anderem durch drei Eigenschaften aus:

  • erhöhter Absatz im Fersenbereich, der für die sogenannte Sprengung zwischen Vorderfuß und Ferse verantwortlich ist. Die Folge ist eine Streckung beider Muskeln. Hinzu kommt in der Regel eine generell relativ dicke Sohle die
  • Erhöhung der Zehen: die dadurch im Gelenk nach oben gedrückt werden, wodurch die Muskeln weitergehend gestreckt werden.
  • Enge Zehenbox: Zehen werden zusammengedrückt, vor allem der große Zeh nach innen, wodurch der Zehenspreizer gestreckt wird.

Zehenfreiheit ist ein Muss

Veränderte Ausrichtung des großen Zehs

Wie wirken sich enge Zehenboxen auf den großen Zeh aus?

Durch die oben beschriebenen Einschränkungen des großen Zehs kommt es zu einer falschen Ausrichtung des großen Zehs beim Gehen. Er verläuft nicht mehr in Verlängerung des Zehenknochens sondern wird in seiner Achse verschoben.

In Kombination führen die genannten Faktoren dazu, dass der Fuß nicht in der Lage ist die notwendige Spannung im Fußgewölbe aufzubauen, das Fußgewölbe sackt in sich zusammen und es kommt zur Suppination.

Die veränderte Ausrichtung des großen Zehs kann man sehr gut der nebenstehenden Abbildung entnehmen.

In dem folgenden Video wird dieser Zusammenhang sehr gut visualisiert. Weitergehende Informationen bietet ein Artikel auf Dr. Nick’s Running Blog.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

3. Problem: Absätze beinträchtigen die Muskeln und Sehnen im Unterschenkel

Wie bereits oben erwähnt stellen Absätze für die Arbeit des Großzehenbeugers ein Problem dar, darüber hinaus wirken sie sich aber auch negativ auf die weiter oben liegenden Muskelstrukturen aus. Marco Narici von der Manchester Metropolitan University hat das anhand einer Studie über Stöckelsschuhe untersucht. Er stellte dabei folgendes fest:

  • Die Größe der Muskeln war unverändert, aber die Länge der Muskelfaser war um 13% verkürzt
  • Die Achillessehne war nicht länger, was die Verkürzung der Muskeln ausgeglichen hätte, aber sie war dicker und steifer um die Verkürzung der Muskeln auszugleichen.

Diese Anpassung führt dazu, dass Träger von hohen Absätzen normalerweise mit den Schuhen zurecht kommen, sobald sie jedoch barfuß gehen kann sich die Achillessehne nicht wie notwendig an die veränderte Position anpassen und es kommt zu Verspannungen. Als Ergebnis empfiehlt Narici Absatzträgern ausreichendes Dehnen um den Beweglichkeitsmangel auszugleichen – aber wäre es nicht einfach den Schuhen gleich das richtige Schuhwerk zur Verfügung zu stellen?

Absätze beeinträchtigen die gesamte Körperhaltung

In dem kostenlosen Ebook „Gesunde Füße“ von Frank W. Demann werden sehr gut die Auswirkungen eines Keils (=Absatz) unter den Fersen erläutert:

  • das Becken kippt nach vorne
  • die Wirbelsäule gleicht diese Verschiebung i.d.R. durch eine seitliche Verbiegung (=Skoliose) aus
  • am oberen Ende der Wirbelsäule verschiebt es dadurch den Kopf nach vorne, was eine zusätzliche Belastung für die Nackenmuskulatur bedeutet, die häufig zu Verspannungen führt

Durch die Betrachtung des menschlichen Körpers als die Kombination unzähliger Muskeln, Sehnen, Bändern, Faszien, Knochen und vielem mehr werden die Zusammenhänge deutlich und die Bedeutung des richtigen Schuhs wird klarer. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass eure Nackenschmerzen mit den falschen Schuhen zu tun haben könnten?

Quellen

Vivobarefoot Training Clinic

Journal of Experimental Biology

„Gesunde Füße“ von Frank W. Demann (PDF)

http://www.eurekalert.org/pub_releases/2010-07/tcob-wwf070810.php

https://nwfootankle.com/foot-health/drill/2-Articles/17-Toespring

http://equilibriumstate.de/blog/2015/08/wie-du-deine-fuesse-zerstoerst/

http://www.drnicksrunningblog.com/correct-toes-a-simple-approach-to-getting-your-feet-back-to-a-natural-alignment/

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